Russland lenkt Getreideexporte auf Arktisroute um
· VinciFi Redaktion

Russland verlagert einen Teil seiner Getreideausfuhren auf arktische Routen, während die Lieferungen über das Schwarze und das Asowsche Meer stark zurückgehen. Die erste Verladung in Murmansk zeigt, dass der Nordweg als zusätzlicher Exportkorridor dient.**
Ende Oktober begann im Hafen Murmansk die Verladung einer ersten Getreideladung von 3.400 Tonnen. Die Ware stammt aus wichtigen russischen Agrarregionen. Eine weitere Ladung von rund 28.000 Tonnen Weizen soll in Murmansk auf ein Schiff nach Casablanca in Marokko kommen.
Murmansk liegt fast 2.000 Kilometer nördlich von Moskau nahe der norwegischen Grenze. Der Hafen nimmt damit eine neue Rolle in Russlands Exportlogistik ein. Im September verschiffte Russland knapp zwei Millionen Tonnen Getreide. Mehr als 60 Prozent der seegestützten Ausfuhren liefen über Terminals im Nordwesten des Landes.
Ostseehäfen tragen den größeren Teil der Umleitung
Auch die Ostsee ist für die Ausfuhren wichtig. Von Juli bis Oktober entfielen 38,3 Prozent der russischen Weizenausfuhren auf Ostseehäfen. Im selben Zeitraum gingen die russischen Weizenlieferungen im Jahresvergleich um 39,6 Prozent zurück. Russland ist der größte Weizenexporteur der Welt, doch die eingeschränkten südlichen Routen setzen seine Exportlogistik unter Druck.
Die Umleitung bringt eigene Engpässe mit sich. In Ostseehäfen konkurriert Getreide mit Kohle und Düngemitteln um Umschlagkapazitäten. Die erste Ladung über Murmansk ist klein gegenüber den Mengen, die über die etablierten Häfen laufen. Die Arktisroute ergänzt die bestehenden Wege daher zunächst, statt sie zu ersetzen.
Die nächste geplante Verschiffung aus Murmansk umfasst rund 28.000 Tonnen Weizen und soll nach Casablanca gehen. An den kommenden Ladungen wird sich zeigen, welchen Umfang der neue Exportweg erreichen kann.