Anthropic übernimmt Mithril Medicine
· VinciFi Redaktion

Anthropic hat das Ein-Personen-Unternehmen Mithril Medicine übernommen und will dessen Programme für seltene Muskeldystrophien weiterführen. Zugleich will der KI-Konzern seine Modelle möglichst vielen Forschenden in der Arzneimittelentwicklung zugänglich machen, was den Einsatz von KI in der Forschung ausweiten könnte.**
Gründer Cody Tranbarger koordinierte mit Claude Verträge, Logistik und Experimente mit elf externen Laboren. Anthropic zufolge brachte Mithril einen möglichen Wirkstoffkandidaten für eine Form der Muskeldystrophie in weniger als 18 Monaten von der Idee zu vielversprechenden Ergebnissen bei Mäusen. Tranbarger arbeitet nun bei Anthropic weiter an dem Forschungsprogramm und will mehrere neue Vorhaben starten.
Die Arbeit steht noch am Anfang. Anthropic ordnet den größten Teil seiner Arzneimittelforschung als präklinisch ein: Die Wirkstoffe werden überwiegend noch nicht an Menschen getestet. Das Unternehmen hält einen Start von klinischen Studien mit einem der Kandidaten bereits Ende 2028 für möglich, falls die Wirkstoffkandidaten ihre bisherigen Ergebnisse bestätigen.
Sechs Partnerschaften und eigene Forschung
Mithril ist Teil eines größeren Vorstoßes in die Biowissenschaften. Anthropic berichtet von Forschungskooperationen mit sechs Organisationen, darunter Bristol Myers Squibb, Generate Biomedicines und Enveda. Die Projekte reichen von der Entwicklung möglicher Wirkstoffmoleküle bis zu Unterstützung bei der Vorbereitung klinischer Studien.
Bei Generate Biomedicines half Claude laut Anthropic beim Entwurf kürzerer genetischer Anweisungen für eine mögliche Krebstherapie. In Labortests ermöglichten sie Immunzellen, ungefähr zehnmal so viele Rezeptoren zu bilden. Enveda setzte Claude wiederum ein, um Dokumente zur Arzneimittelherstellung zu prüfen. Das System fand bei der Überprüfung von 1.061 Seiten alle elf Probleme, die menschliche Prüfer entdeckt hatten, sowie sieben weitere.
Anthropic will die Erkenntnisse aus solchen Projekten nutzen, um seine Modelle für weitere Aufgaben in der Wirkstoffentwicklung zu verbessern. Das Unternehmen bietet Forschenden außerdem einen Zugang zu Modellen und Werkzeugen für Biowissenschaften an und lädt akademische Einrichtungen, gemeinnützige Organisationen und staatliche Labore zu gemeinsamen Projekten ein. Die Zusammenarbeit mit Gastforschenden soll jeweils acht bis zwölf Wochen dauern.
Für Mithrils Programme ist der nächste wichtige Schritt, ob sich die Ergebnisse aus den Tierversuchen weiter bestätigen. Anthropic peilt bei erfolgreichem Verlauf einen möglichen Start erster klinischer Studien Ende 2028 an.