Vitol-Chef: Ölbedarf fällt um mehr als 2,5 Mio. Barrel täglich
· VinciFi Redaktion

Vitol-Chef Russell Hardy schätzt, dass die globale Ölnachfrage seit Ende Februar um mehr als 2,5 Millionen Barrel pro Tag gesunken ist. Für den Ölmarkt ist das wichtig, weil weniger Verbrauch auf ein durch den Iran-Konflikt verknapptes Angebot trifft.**
Hardy bezeichnet den Rückgang als außergewöhnlich: Abgesehen von der Pandemie sei es der stärkste jährliche Einbruch der Ölnachfrage, den es bislang gegeben habe. Zum Vergleich verweist er auf die Finanzkrise 2008 und 2009. Damals sank die Nachfrage in jedem der beiden Jahre um jeweils eine Million Barrel pro Tag.
Nach Hardys Einschätzung kommt der aktuelle Rückgang vor allem bei Transportkraftstoffen und petrochemischen Vorprodukten zustande. Hohe Preise hätten sowohl zyklische als auch strukturelle Nachfragerückgänge ausgelöst. Der Iran-Konflikt hat zugleich das Angebot verknappt. Neue Handelswege seien entstanden, während die weltweiten Lagerbestände zurückgingen. Hardy warnt zudem, die Welt könne eine größere Unterbrechung als die derzeitige kaum verkraften.
Der schwächere Ölverbrauch bedeutet für die Branche nicht, dass die Nachfrage dauerhaft schrumpfen muss. Hardy verweist auf den Wandel im Verkehr: Weltweit sei 2026 eines von fünf neu gekauften Autos ein batterieelektrisches Fahrzeug; in China liege der Anteil bei 35 Prozent. Der Wechsel der Fahrzeugflotte brauche jedoch Zeit. Zugleich könne der wachsende Strombedarf den Bedarf an Energie insgesamt erhöhen.
Für die kommenden Jahre erwartet Hardy, dass der Ölverbrauch bis in die frühen 2030er-Jahre weiter wächst. Bis 2040 könne die globale Nachfrage rund vier Millionen Barrel pro Tag über dem heutigen Niveau liegen. Dabei dürfte sich ihre Zusammensetzung verändern: Straßenkraftstoffe könnten an Bedeutung verlieren, während die Nachfrage nach Rohstoffen für die Chemie und nach Flugkraftstoff zunimmt.