Anthropic: New Yorks Comptroller fordert IPO-Pause
· VinciFi Redaktion

Ein Aufschub ist damit nicht beschlossen, doch die Kritik könnte den Blick von Investoren auf die Risiken des KI-Geschäfts lenken.**
In einem Schreiben an Anthropic-Chef Dario Amodei verlangt Levine, den Börsengang erst dann weiterzuverfolgen, wenn das Unternehmen seine Sicherheits- und Governance-Bedenken umfassend und transparent angegangen ist. Er fordert konkrete Angaben zu geplanten Prüfungen und Kontrollen, dazu, welche Risiken sie abdecken sollen, und zu einem Zeitplan. Levine argumentiert, die Vorbereitung auf den Börsengang könne Aufmerksamkeit und Ressourcen von dieser Arbeit abziehen.
Als Comptroller der Stadt New York ist Levine Anlageberater, Verwahrer und Treuhänder der städtischen Pensionsfonds. Diese verwalten laut seinem Schreiben mehr als 325 Mrd. US-Dollar. Ein möglicher Schaden durch einen schwerwiegenden KI-Sicherheitsvorfall wäre damit auch für große institutionelle Anleger ein Thema. Die Forderung ist jedoch seine Position: Sie bedeutet nicht, dass Anthropic den Börsengang bereits verschoben hat.
Anthropic soll potenziellen Investoren im dritten Quartal einen Umsatz von 16,8 Mrd. US-Dollar genannt haben. Für das zweite Quartal wurden 11,6 Mrd. US-Dollar berichtet, für das erste 4,7 Mrd. US-Dollar. Zugleich verlangsamte sich das Wachstum: Der Umsatz legte im dritten Quartal gegenüber dem zweiten um 45 Prozent zu, nachdem er im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um mehr als 140 Prozent gewachsen war. Die Werte stammen aus Berichten über Angaben an Investoren.
Levine verweist in seinem Schreiben auch auf Warnungen aus dem Unternehmen selbst: Anthropic habe öffentlich eingeräumt, dass die Entwicklung leistungsfähiger KI die Fähigkeit der Gesellschaft überholen könne, die Systeme zu verstehen und zu kontrollieren. Der Streit betrifft damit nicht nur den Zeitpunkt eines möglichen Börsengangs, sondern auch die Frage, wie Sicherheitsrisiken und Kontrolle gegenüber künftigen Aktionären offengelegt werden.
Berichten zufolge könnte Anthropic bereits Ende Oktober Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht einreichen und im November an die Börse gehen. Für den 9. November sei der Start der Investorenpräsentationen vorgesehen. Diese Zeitplanung steht neben Levines Forderung nach einer Pause; ob Anthropic daran festhält, ist offen.