Nagel hält EZB-Zinserhöhung im Dezember für sehr wahrscheinlich nötig
· VinciFi Redaktion

Joachim Nagel hält eine Zinserhöhung der EZB im Dezember für sehr wahrscheinlich nötig. Seine Einschätzung kommt, nachdem die jährliche Inflationsrate im Euroraum im September auf 3,8 Prozent gestiegen ist.**
Am 29. Oktober ließ der EZB-Rat seine drei Leitzinsen unverändert. Einen festen Zinspfad legte er nicht fest: Die Geldpolitik richtet sich nach den jeweils verfügbaren Daten. Nagels Aussage ist seine Einschätzung für den Dezember, kein Beschluss des EZB-Rats.
Die jährliche Inflationsrate im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Im September des Vorjahres hatte sie bei 2,2 Prozent gelegen. Energie verteuerte sich im September um 18,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Nagel sagte, der Inflationsdruck sei im September höher als erwartet gewesen und nähere sich einem ungünstigen Szenario. Besonders die Energiepreise bereiten ihm Sorgen: Die EZB müsse verhindern, dass ein Preisschub bei Energie auf viele andere Preise übergreift. Dann könnte aus einem zunächst begrenzten Anstieg ein breiterer Inflationsdruck werden.
Für die Geldpolitik ist dabei auch die Kerninflation wichtig. Die EZB hatte im Oktober erklärt, dass sich die zugrunde liegende Inflation weitgehend stabil entwickle und die Löhne bislang nicht merklich auf den Energieschock reagiert hätten. Zugleich hätten sich die Inflationsrisiken durch Energiepreise nach oben und die Wachstumsrisiken nach unten verschoben. Die Notenbank verwies außerdem auf eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, die sich auf Inflation und Wachstum auswirken kann.
Die EZB hält an ihrem Inflationsziel von 2 Prozent auf mittlere Sicht fest. Nagels Einschätzung macht deutlich, dass der stärkere Preisdruck dabei eine zentrale Rolle spielen dürfte.