Kocher hält EZB-Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich
· VinciFi Redaktion

EZB-Ratsmitglied Martin Kocher hält eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich, falls sich die Lage nicht ändert. Seine Einschätzung knüpft den möglichen Zinsschritt an die weitere wirtschaftliche Entwicklung.**
Bei ihrer Sitzung am 29. Oktober ließ die EZB ihre drei Leitzinsen unverändert. Der Einlagensatz blieb bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent. Damit stehen die aktuellen Sätze fest, während Kocher einen möglichen Schritt im Dezember an die Entwicklung der Lage knüpft.
Kocher verwies in einem Beitrag der Österreichischen Nationalbank auf gestiegene Öl- und Gaspreise sowie höhere Renditen langfristiger Staatsanleihen. Diese Entwicklungen spielen für die geldpolitische Abwägung eine Rolle, weil Energiepreise den Inflationsdruck erhöhen können. Zugleich können veränderte Finanzierungsbedingungen die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.
In einer weiteren Einschätzung sagte Kocher, eine geldpolitische Reaktion werde nötig, falls sich die Lage in naher Zukunft nicht verbessere. Das ist eine bedingte Aussage. Sie beschreibt seine Einschätzung für den Fall, dass sich die Situation nicht bessert, und keine bereits vollzogene Entscheidung der EZB.
Bei einem Auftritt am 3. November verwies Kocher zudem auf die schwer vorhersehbare geopolitische Entwicklung. Eine verlässliche Orientierung für die kommenden Monate sei deshalb nicht möglich. Zugleich beschrieb er die Nachfrage im Euroraum als widerstandsfähig und sagte, die Investitionen nähmen zu. Damit stehen in seiner Einschätzung unterschiedliche Signale nebeneinander: eine robuste Nachfrage und mehr Investitionen auf der einen Seite, gestiegene Energiepreise und höhere Renditen auf der anderen.
Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats ist für den 16. und 17. Dezember angesetzt. Kocher hält einen Zinsschritt dann für wahrscheinlich, sofern sich die wirtschaftliche Lage bis dahin nicht ändert.