Selenskyj bietet Raffinerie-Stopp gegen Patriot-Raketen an
· VinciFi Redaktion

Wolodymyr Selenskyj sagt, die USA verzögerten Patriot-Raketenlieferungen und schlägt im Gegenzug eine Pause ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien vor. Ein solcher Tausch könnte zugleich die ukrainische Luftverteidigung und den Druck auf Russlands Energiegeschäft berühren.**
Selenskyj sagte in einem Interview, Washington habe nur einen Teil der über das NATO-Programm PURL finanzierten Raketenlieferungen genehmigt. Die Ukraine kauft dabei US-Waffen, die von NATO-Partnern bezahlt werden. Selenskyj zufolge liefert die US-Seite derzeit zwölf Patriot-Abfangraketen pro Monat. Das entspreche etwa einem Viertel der monatlichen Menge unter der vorherigen US-Regierung.
Der ukrainische Präsident schlug vor, Angriffe auf russische Diesel-Infrastruktur auszusetzen, wenn die USA zusätzliche Patriot-Raketen zum Schutz ukrainischer Einrichtungen bereitstellen. Die Angaben zum Umfang der Lieferungen und zu den Verzögerungen stammen von Selenskyj. Die US-Regierung hat die jüngsten Zahlen nicht öffentlich bestätigt. Ein US-Regierungsvertreter bestritt die ukrainischen Vorwürfe; zugleich erklärte ein NATO-Vertreter, PURL-Lieferungen einschließlich Luftverteidigung liefen weiter. Ein weiterer NATO-Vertreter räumte mögliche Verzögerungen bei einzelnen Lieferungen ein, hielt politische Gründe dafür aber für unwahrscheinlich.
Patriot-Raketen sind knapp und militärisch wichtig
Patriot-Systeme gehören zu den wichtigsten ukrainischen Abwehrmitteln gegen russische ballistische Raketen. Die Vorräte an Abfangraketen waren Mitte Oktober erneut kritisch niedrig; ukrainische Stellen nannten aus Sicherheitsgründen keine Bestandszahlen. Eine Verzögerung könnte deshalb die Abwehr ukrainischer Städte und wichtiger Infrastruktur erschweren.
Der Streit fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Kyjiw und Washington. US-Präsident Donald Trump hat ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien kritisiert. Am 15. Oktober nahm die Ukraine Angriffe auf russische Raffinerien wieder auf. Für den Energiemarkt könnte ein tatsächlicher Stopp der Angriffe relevant sein, weil er den Druck auf russische Raffineriekapazitäten verändern würde. Die konkreten Folgen hängen davon ab, ob es zu einer Vereinbarung kommt und wie sie umgesetzt wird.
Selenskyjs Vorschlag ist damit ein Verhandlungsangebot, keine bestätigte Vereinbarung. Für die Ukraine bleibt die Versorgung mit Patriot-Abfangraketen besonders wichtig, während Russland weiter Raketenangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur führt.