Russland genehmigt Ausfahrt von Getreideschiffen aus Asow
· VinciFi Redaktion

Russland soll erstmals seit dem 10. Juli wieder Ausfahrten von Getreideschiffen aus Asow-Häfen genehmigen. Die Durchfahrtsgenehmigungen durch die Straße von Kertsch sollen bis zum 15. November gelten und könnten den unter Druck geratenen Exportweg vorübergehend entlasten.**
Die Freigaben betreffen Schiffe mit Getreide für den Export, die durch die Straße von Kertsch zwischen Asowschem und Schwarzem Meer fahren. Berichten zufolge beruht die Information auf Angaben aus der Schifffahrtsbranche. Sie beschreibt eine befristete Wiederaufnahme einzelner Ausfahrten, keine allgemeine Öffnung der Seewege.
Der Export über russische Schwarzmeer- und Asow-Häfen war zuletzt stark eingebrochen. Im September sanken Russlands seegestützte Getreideausfuhren im Jahresvergleich um 61,9 Prozent auf knapp zwei Millionen Tonnen. Die Verschiffungen aus dem Schwarzmeer- und Asow-Becken gingen nach Branchendaten um 93,7 Prozent auf 0,3 Millionen Tonnen zurück. Eine begrenzte Wiederaufnahme könnte damit einen besonders stark beeinträchtigten Teil der Logistik erreichen.
Auch die internationalen Getreidemärkte reagierten auf die Störungen der Handelswege, aber nicht überall gleich. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtete, dass russische Weizenexportpreise im September gegenüber August um 4,1 Prozent sanken. Die Exportpreise für US-Weizen der Sorte No. 2 Hard Red Winter stiegen im selben Zeitraum um 7,1 Prozent. Die FAO nannte dafür trockene Bedingungen bei der Winterweizenaussaat und Unsicherheit über die Schwarzmeer-Ausfuhren. Die Nachfrage nach alternativen Lieferanten führte sie als allgemeinen Faktor für Preissteigerungen in anderen Exportländern an. Eine Rückkehr von Schiffen auf die Asow-Route könnte den Exportfluss stützen, sagt für sich genommen aber noch nichts über die Entwicklung der Weltmarktpreise aus.
Russlands Landwirtschaftsministerin Oksana Lut erklärte am 28. Oktober, der Getreideexport laufe trotz der Schließung des Schwarzmeerbeckens nach Plan. Seit Jahresbeginn habe Russland 13 Millionen Tonnen Getreide nach Afrika ausgeführt. Die berichteten Durchfahrtsfreigaben wären ein zusätzlicher Schritt, um Ausfuhren über den Süden zu ermöglichen.
Die Genehmigungen sollen bis zum 15. November gelten. Ob und wie viele Schiffe diese Frist nutzen, wird zeigen, welchen praktischen Umfang die vorübergehende Freigabe hat.