IEA drängt auf mehr Öl und Diesel aus Förderung und Raffinerien
· VinciFi Redaktion

Der Verwaltungsrat der Internationalen Energieagentur (IEA) hat Mitgliedsländer mit Förder- und Raffineriekapazitäten dazu aufgerufen, mehr Rohöl und Kraftstoffe bereitzustellen, besonders Diesel. Das könnte das knappe Angebot entlasten, ist aber ein Appell und keine verbindliche Produktionsvorgabe.**
Wie angespannt der Dieselmarkt ist, zeigen die aktuellen Angebotsdaten der IEA: Im dritten Quartal war weltweit 1,7 Millionen Barrel Diesel und Gasöl pro Tag weniger verfügbar als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal hatte das Minus im Jahresvergleich 1,5 Millionen Barrel pro Tag betragen. Die Agentur führt die Rückgänge auf gestörte Exporte aus dem Nahen Osten sowie geringere Lieferungen aus Russland und einigen asiatischen Ländern zurück.
Der Appell des Verwaltungsrats richtet sich an Länder, die sowohl Öl fördern als auch Raffinerien betreiben können. Mehr Rohöl allein würde den Engpass bei Kraftstoffen nicht automatisch beheben: Es muss auch verarbeitet werden. Die IEA erwartet, dass der weltweite Raffineriedurchsatz im Oktober saisonbedingt auf 81,3 Millionen Barrel pro Tag sinkt und bis zum Jahresende auf 84,6 Millionen steigt. Für das Gesamtjahr rechnet sie dennoch mit einem Rückgang um 2,3 Millionen Barrel pro Tag auf 81,7 Millionen. 2027 soll der Raffineriedurchsatz dann um 2,8 Millionen Barrel pro Tag zulegen.
Zusätzliche Vorräte sind ein eigener Hebel
Neben mehr Förderung und Verarbeitung setzt die IEA auf koordinierte Freigaben von Notvorräten. Bei einem Treffen am 7. Oktober unterstützten Mitgliedsregierungen eine schnellere Abgabe der bereits zugesagten Ölbestände und eine möglichst starke Priorisierung von Diesel. Die IEA bezifferte die öffentlich gehaltenen Notvorräte der Mitglieder damals auf rund 1,1 Milliarden Barrel, darunter mehr als 200 Millionen Barrel Diesel.
Vor dem Treffen am 15. Oktober hatte IEA-Direktor Fatih Birol die Mitglieder zudem aufgefordert zu prüfen, ob zusätzliche Diesel-Freigaben nötig sind und gegebenenfalls deren Umfang und Zeitpunkt festzulegen. Entscheidend für die Entlastung des Marktes wird sein, ob zusätzliche Produktion, Raffinerieauslastung oder Vorratsfreigaben tatsächlich mehr Diesel verfügbar machen.