Frankreichs Anleiheaufschlag steigt auf höchsten Stand seit 2011
· VinciFi Redaktion

Der Renditeabstand französischer zu deutschen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hat laut Bericht den höchsten Stand seit 2011 erreicht. Die EZB will derzeit offenbar nicht eingreifen, obwohl ein größerer Abstand Frankreichs Finanzierung verteuern und andere Märkte unter Druck setzen könnte.**
Was passiert ist
Der Abstand zwischen den Renditen französischer und deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist laut der Meldung auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen. Ein solcher Aufschlag zeigt, dass Anleger für französische Papiere eine höhere Rendite verlangen als für deutsche. Damit können sich neue Kredite für den französischen Staat verteuern.
Die EZB könnte grundsätzlich ihr Instrument zum Schutz der geldpolitischen Transmission einsetzen, kurz TPI. Berichten zufolge halten Verantwortliche einen Einsatz derzeit jedoch nicht für gerechtfertigt. Die Meldung führt auch die über dem Ziel liegende Inflation als Grund an, weshalb Anleihekäufe Risiken bergen. Frankreich solle seine Haushaltsprobleme demnach selbst angehen, mit einem glaubwürdigen Budget und einem Abbau des Defizits.
Hintergrund
Die EZB hat das TPI 2022 beschlossen. Es ermöglicht dem Eurosystem, unter bestimmten Voraussetzungen Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Das Instrument soll gegen ungerechtfertigte und ungeordnete Marktentwicklungen wirken, wenn diese die Übertragung der Geldpolitik im Euroraum ernsthaft gefährden. Der EZB-Rat berücksichtigt bei einer möglichen Aktivierung auch, ob ein Land eine solide und nachhaltige Finanz- und Wirtschaftspolitik verfolgt.
Was das bedeuten kann
Steigende Renditen können die staatlichen Finanzierungskosten erhöhen. Wenn sich Sorgen um Frankreichs Haushalt auf andere Länder ausweiten, könnten auch deren Anleiherenditen unter Druck geraten. Das wäre für Unternehmen und Anleger relevant, wenn höhere Finanzierungskosten die Wirtschaft oder die Bewertung von Vermögenswerten belasten. Ob es zu einer breiteren Ansteckung kommt oder die EZB ihre Haltung ändert, ist aus der Meldung nicht abzuleiten.