Frankreich: Renditeaufschlag laut Berichten bei 152 Basispunkten
· VinciFi Redaktion

Der Renditeabstand zehnjähriger französischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen ist Berichten zufolge zeitweise auf 152 Basispunkte gestiegen. Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen und Politik könnten auch europäische Anleihedepots belasten.**
Was passiert ist
Frankreichs Staatsanleihen stehen unter Druck. Bei zehnjährigen Papieren erreichte der Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen am 2. Oktober Berichten zufolge zeitweise 152 Basispunkte. Laut der Meldung entspricht das einem Stand wie zuletzt 2011, während der europäischen Schuldenkrise.
Der sogenannte Spread misst den Renditeunterschied zwischen beiden Ländern. Seine Ausweitung zeigt, dass französische Schuldtitel gegenüber deutschen unter Druck geraten. Sie bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die französische Rendite im selben Umfang steigt: Auch Bewegungen bei Bundesanleihen beeinflussen den Abstand.
Berichten zufolge sieht Nicolas Forest, Investmentchef des Vermögensverwalters Candriam, französische Schulden inzwischen nahe dem Bewertungsniveau der europäischen Schuldenkrise. Er warnt, das Haushaltsdefizit könnte sich 6 % der Wirtschaftsleistung nähern. Das ist seine Risikoeinschätzung, keine hier berichtete amtliche Defizitprognose.
Hintergrund
Mögliche Bonitätsherabstufungen im Oktober könnten dem Bericht zufolge zusätzlichen Druck auslösen. Forest warnt außerdem davor, auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank gegen den Ausverkauf zu vertrauen.
Die EZB verfügt mit dem 2022 beschlossenen TPI über ein Instrument für gezielte Anleihekäufe. Laut ihrer Beschreibung soll es ungerechtfertigten, ungeordneten Marktbewegungen entgegenwirken, wenn diese die Übertragung der Geldpolitik im Euroraum ernsthaft gefährden.
Ein Einsatz ist an Kriterien gebunden. Dazu zählen die Einhaltung des europäischen Haushaltsrahmens, tragfähige Staatsschulden und eine solide Wirtschaftspolitik. Das Instrument ist damit kein pauschaler Schutz vor steigenden Risikoaufschlägen.
Was das bedeuten kann
Bleiben Frankreichs Finanzierungskosten erhöht, könnte das neue Schulden und die Ablösung fälliger Anleihen verteuern. Das könnte den Druck auf den Staatshaushalt zusätzlich erhöhen.
Wenn du französische Staatsanleihen direkt oder über einen Fonds hältst, könnten weiter steigende Renditen deren Marktwert belasten. Eine Ausweitung der Unsicherheit auf andere Eurostaaten könnte zudem breitere europäische Anleiheportfolios treffen. Der Vergleich mit 2011 allein bedeutet jedoch nicht, dass sich die damalige Schuldenkrise wiederholt.